8 Friedhöfe

Kerndaten:
Titel des Artikels: Marburger Friedhöfe
Titel des Objekts: Der alte Friedhof am Barfüssertor
Adresse: Barfüssertor
Datierung: Nach 1568
Architekt/Baumeister/Künstler: Phillip der Großmütige (Auftrag), Stadtbaumeister C. Cöster (Kapelle)
Titel des Artikels: Marburger Friedhöfe
Titel des Objekts: Der Hauptfriedhof
Adresse: Ockershäuser Allee 7b, 35037 Marburg
Datierung: 1865
Architekt/Baumeister/Künstler: Stadtbaumeister P. Soff, Stadtbaurat L. Broeg (Kapelle mit Leichenhalle)

Im Allgemeinen kann man sagen, dass Friedhöfe als Ausflugsziele bis heute mit einem gewissen Gout behaftet sind - Gleichwohl sind die meisten dieser Orte der Trauer bzw. des Gedenkens an die Verstorbenen nicht nur für passionierte Architekturhistoriker oder Landschaftsgärtner von Interesse, sondern bieten zu jeder Jahreszeit einen wundervollen, mit einer einzigartigen Magie behafteten Rückzugsort von den Strapazen des Alltags. Natürlich bildet Marburg da keine Ausnahme: So hat die Stadt insgesamt 25 Friedhöfe vorzuweisen, die sich auf einer Fläche von insgesamt 37,8 Hektar verteilen. Besonders hervorzuheben sind hier der Alte Friedhof am Barfüßertor und der Hauptfriedhof. Der Alte Friedhof am Barfüßertor entstand ursprünglich nach 1568 außerhalb der damaligen Stadtmauern aus Gründen des Platzmangels innerhalb der stetig expandierenden Stadt sowie der Vermeidung der durch Graböffnungen bedingten Verwesungsgerüche auf Anordnung des damaligen Hessischen Landesherren Philipp dem Großmütigen.
In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde auch dieser Totenhof als Bestattungsmöglichkeit ausgeschlossen, nachdem dort im Laufe der vergangenen 300 Jahre hunderte Personen ihre letzte Ruhestätte hatten finden dürfen. Auf dem Gelände befindet sich heute noch die in den Jahren 1736/37 von dem damaligen Stadtbaumeister C. Cöster als Ersatz für die bisherige Totenkirche aus dem Jahr 1568 errichtete, massive Friedhofskapelle, welche ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zunächst als Turnhalle und später als Lagergebäude des bekannten Likörherstellers „Marburger Nachtwächter“ ihren Nutzen fand, bis sich ab 1956 ihre endgültige Bestimmung als Auferstehungskirche der Selbstständig Evangelisch-Lutherischen Kirche in Marburg manifestierte. Heute werden auf dem Alten Friedhof am Barfüßertor Urnenbestattungen in sogenannten Urnenhainen durchgeführt, jedoch ohne den unverwechselbaren Charme der langsam verwitternden Grabstätten unter den großen, schattenspendenden Bäumen zu beeinflussen. Besonders hervorzuheben sind hier die beiden Gräber zweier Koryphäen der Romantik: des Philosophen Christoph Andreas Leonhard Creuzer (1768-1844) und des Theologen Karl Wilhelm Justi (1767-1846), die beide zu den Ehrenbürgern Marburgs zählen. Viel Spaß beim Suchen! Der Hauptfriedhof umschließt auf einer Gesamtfläche von 22 Hektar das Gelände von der Ockershäuser Allee bis zum Rotenberg hinauf. Er wurde im Jahr 1865 unter Leitung des Stadtbaumeisters P. Soff angelegt, nachdem die kleineren Stadtfriedhöfe wie beispielsweise die an der St. Jost Kapelle oder am Barfüßertor gewissermaßen aus allen Nähten platzten und wurde so als ehemaliges Privatgrundstück außerhalb der Stadtgrenzen am "Ockershäuser Weg" in den Besitz der Stadt Marburg überschrieben. Von dem großen Haupteingang aus führt
eine 100 Meter lange, von Gräbern und Pflanzen gesäumte Allee den Rotenberg hinauf bis zu der in den Jahren 1893/94 von dem Stadtbaurat L. Broeg umgesetzten, neugotischen Kapelle sowie eine Leichenhalle. Die Hauptfläche des Friedhofs – vor sämtlichen Expansionsmaßnahmen – ist von einer noch heute größtenteils erhaltenen Sandsteinmauer umgeben und in seit dem 18. Jahrhundert üblicher Manier quartiermäßig aufgebaut, wobei die quadratisch angelegten Grabfelder von wegeumsäumten Hecken separiert werden. In den an der Mauer entlang laufenden Außenbereichen befinden sich die größeren Familiengräber, während sich die kleinen Reihengräber im Mittelbereich des Terrains aufstaffeln. Eine derartige Praxis der Grabstättenanordnung ist auch bis heute noch durchaus üblich. Besonders interessant ist die Veränderung der landschaftlichen Strukturen und deren Einfluss auf die Anlage der Grabstätten im Verlauf des Geländes bis zu der Außengrenze am Rotenberg hinauf: Aufgrund des Anstiegs des Geländes entwickelt sich der Hauptfriedhof auf dem Berg immer mehr zu einem charakteristischen Waldfriedhof mit scheinbar willkürlich platzierten Grabfeldern, die durch kurvenreiche Wegstrukturen miteinander verbunden sind. Im obersten Part des Geländes am Rotenberg kann man eine deutliche Entwicklung zu einem eher parkähnlichen Zierfriedhof hin beobachten: Hier finden sich weitläufige Grünflächen, die akkurat von tief angelegten Strauchgewächsen umschlossen werden. Aufgrund seiner Lage und Größe dient der Marburger Hauptfriedhof bis heute als gern in Anspruch genommene letzte Ruhestätte, wodurch im Laufe der letzten rund 160 Jahre bereits eine Vielzahl von bekannten Persönlichkeiten hier beigesetzt wurde. Interessierte können die exakte Position besonderer Grabstätten sowie nähere Informationen über die darin begrabenen Personen der von der Stadt Marburg entworfenen Broschüre "Bedeutende Persönlichkeiten auf dem Hauptfriedhof" entnehmen, die beispielsweise im Dienstgebäude im Eingangsbereich an der Ockershäuser Allee 15 ausliegen. Die Broschüre lässt sich jedoch ebenfalls über die offizielle Website der Stadt Marburg online aufrufen 
(http://www.marburg.de/de/16193). 

Julia Helena Biedermann